Forschungsinteressen
Montag, 12. November 2018 - 19:53 Uhr

Forschungsinteressen

  • Barrierefreie Medienkommunikation: Wie können Medientexte so aufbereitet werden, dass sie optimal an die Bedürfnisse der Adressaten angepasst sind? Dabei ist der „Medientext“-Begriff durchaus als weit anzusehen: Ich fasse auch Filme („Audiovisuelle Texte“) oder komplexe Online-Texte („Hypertexte“) als Texte auf. Damit erschließt sich ein breiter Forschungsbereich (eigene Forschung, teilweise in Kooperation, sowie betreute Doktorarbeiten):
  • Wahrnehmbarkeit: Um verstehen zu können, müssen Adressaten die Texte zunächst einmal wahrnehmen können. Das betrifft das Layout, aber auch die Aufbereitung langer Wörter oder die Zahl der Wörter im Satz. Für Adressaten mit einer Sinnesbehinderung müssen die Texte an die Erfordernisse der Behinderung angepasst werden: Untertitelung oder Gebärdensprachvideos für Personen mit Hörschädigung, Audiodeskription für Personen mit Sehbehinderung.
  •  Verständlichkeit: Texte müssen an die Verstehensvoraussetzungen der Adressaten angepasst werden. Die gewählte Sprachform darf sie nicht überfordern, die Bildsprache muss so gewählt werden, dass sie dem Verstehen nicht entgegensteht. Die Verstehensvoraussetzungen der Adressaten sind sehr unterschiedlich. Personen mit Leseeinschränkungen brauchen eine besonders verständliche Sprache: Leichte Sprache, einfache Sprache. Personen mit kognitiven Einschränkungen stoßen auch auf Schwierigkeiten, wenn die Texte zu lang oder die behandelten Gegenstände zu komplex oder abstrakt sind.
  • Handlungsanschluss: Manche Medientexte dienen vorrangig der Unterhaltung. Andere liefern Informationen und ermöglichen Anschlusshandlungen. Diese Texte stellen eine besondere Herausforderung dar, weil sie große Auswirkungen auf das Leben der Adressaten haben können. Ein Ziel meiner Forschung und der meiner Mitarbeiter/innen ist es zu verstehen, wie beispielsweise medizinische oder juristische Inhalte verständlich und gleichzeitig korrekt dargestellt werden können, damit für die Adressaten ein Handlungsanschluss ermöglicht wird.
  • Verstehen und gelingende Interaktion aus Sicht unterschiedlicher Personengruppen: Personen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Bedürfnissen müssen sich in ihrer Umgebung kommunikativ zurechtfinden. Erschwert wird dieses Zurechtfinden, wenn das Verstehen dieser Personen in der jeweiligen Situation auf die eine oder andere Weise beeinträchtigt 

  • Andere Herkunftssprache: Wenn Personen mit Deutsch als Zweitsprache ihr Leben in einer deutschen Umgebung meistern müssen, stoßen sie, vor allem wenn sie noch relativ neu sind, auf vielfältige Probleme: Verständigung mit den Behörden, den Ärzten, den Lehrern oder am Arbeitsplatz erfordert eine Kommunikationsfähigkeit, die gerade am Anfang noch nicht gegeben sind. Häufig treten dann andere Mitglieder der Gemeinschaft als Sprachmittler ein. Aktuell erforschen wir eine solche Konstellation im Projekt „SpanierInnen in Hannover“ zusammen mit der Romanistik Hannover. Meine Mitarbeiterinnen Marta Estévez Grossi und Dr. Kristina Bedijs haben eine große Zahl von Interviews mit ArbeitsmigrantInnen aus Spanien geführt, die seit den 1960er Jahren nach Hannover und Umgebung gekommen sind. Sie haben sich berichten lassen, wie ihre sprachliche Situation war und ist und wie die kommunikativen Hürden gemeistert wurden.
  • Sinnesbehinderung oder kognitive Einschränkung: Wie verständlich sind die Regeln der Leichten Sprache, wie sie die Hildesheimer Forschungsstelle Leichte Sprache vertritt? Wie angemessen sind die Texte, die auf diese Weise entstehen?
  • Face Work und Social Media: Wie setzen unterschiedliche Personen oder Personengruppen Social Media ein, um ein bestimmtes Bild von sich zu vermitteln oder um sich gegen andere Positionen abzugrenzen?