Forschungsinteressen
Samstag, 19. August 2017 - 09:27 Uhr

Forschungsinteressen

Barrierefreie Medienkommunikation: Wie können Medientexte so aufbereitet werden, dass sie optimal an die Bedürfnisse der Adressaten angepasst sind? Dabei ist der „Medientext“-Begriff durchaus als weit anzusehen: Ich fasse auch Filme („Audiovisuelle Texte“) oder komplexe Online-Texte („Hypertexte“) als Texte auf. Damit erschließt sich ein breiter Forschungsbereich (eigene Forschung, teilweise in Kooperation, sowie betreute Doktorarbeiten):

  • Wahrnehmbarkeit: Um verstehen zu können, müssen Adressaten die Texte zunächst einmal wahrnehmen können. Das betrifft das Layout, aber auch die Aufbereitung langer Wörter oder die Zahl der Wörter im Satz. Für Adressaten mit einer Sinnesbehinderung müssen die Texte an die Erfordernisse der Behinderung angepasst werden: Untertitelung oder Gebärdensprachvideos für Personen mit Hörschädigung, Audiodeskription für Personen mit Sehbehinderung.

Arbeiten:

Tyfour, Maher: Sprachmacht auf engstem Raum: Die Inszenierung der Stadt in den Hörfilmen der Münchner Tatort-Filmserie, Dissertationsprojekt.

Bredel, Ursula/Maaß, Chrisitiane (2016): Leichte Sprache. Theoretische Grundlagen, Orientierung für die Praxis, Berlin: Duden.

  •  Verständlichkeit: Texte müssen an die Verstehensvoraussetzungen der Adressaten angepasst werden. Die gewählte Sprachform darf sie nicht überfordern, die Bildsprache muss so gewählt werden, dass sie dem Verstehen nicht entgegensteht. Die Verstehensvoraussetzungen der Adressaten sind sehr unterschiedlich. Personen mit Leseeinschränkungen brauchen eine besonders verständliche Sprache: Leichte Sprache, einfache Sprache. Personen mit kognitiven Einschränkungen stoßen auch auf Schwierigkeiten, wenn die Texte zu lang oder die behandelten Gegenstände zu komplex oder abstrakt sind.

Arbeiten:

Rink, Isabel (2014): Nachteilsausgleich im Bereich Hörschädigung: Zur Übersetzung von Mathematikarbeiten in Leichte Sprache, Masterarbeit, Universität Hildesheim.

Bredel, Ursula/Maaß, Christiane (2016): Leichte Sprache. Theoretische Grundlagen, Orientierung für die Praxis, Berlin: Duden.

Schum, Swenja (2016): Optimierte Ausgangstexte in der Übersetzung medizinischer Fachtexte in Leichte Sprache. Exemplarische Analyseverschiedener Optimierungsstrategien, Masterarbeit, Universität Hildesheim.

Lang, Katrin: Hypertexte als Herausforderung für die intralinguale Übersetzung. Eine Untersuchung der Umsetzung von behördlichen Websites auf der Ebene von Bund, Ländern und Kommunen in Leichte Sprache, Dissertationsprojekt.

Carmen Mateo Gallego: Methoden der Translation von Metaphern in der Wirtschaftssprache. Eine Fallstudie für Englisch, Spanisch und Deutsch, Dissertationsprojekt.

 

  • Handlungsanschluss: Manche Medientexte dienen vorrangig der Unterhaltung. Andere liefern Informationen und ermöglichen Anschlusshandlungen. Diese Texte stellen eine besondere Herausforderung dar, weil sie große Auswirkungen auf das Leben der Adressaten haben können. Ein Ziel meiner Forschung und der meiner Mitarbeiter/innen ist es zu verstehen, wie beispielsweise medizinische oder juristische Inhalte verständlich und gleichzeitig korrekt dargestellt werden können, damit für die Adressaten ein Handlungsanschluss ermöglicht wird.

Arbeiten:

    Rink, Isabel: Barrierefreie Rechtskommunikation. Zur Übersetzung juristischer Inhalte in Leichte Sprache am Beispiel des Pilotprojekts ‚Leichte Sprache in der Niedersächsischen Justiz‘, Dissertationsprojekt

     

    Ansätze zur Erforschung des Gegenstands: Medien- und textlinguistische Analyseansätze, übersetzungswissenschaftliche Ansätze, Ansätze der Verständlichkeitsforschung

    Verstehen und gelingende Interaktion aus Sicht unterschiedlicher Personengruppen: Personen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Bedürfnissen müssen sich in ihrer Umgebung kommunikativ zurechtfinden. Erschwert wird dieses Zurechtfinden, wenn das Verstehen dieser Personen in der jeweiligen Situation auf die eine oder andere Weise beeinträchtigt 

    • Andere Herkunftssprache: Wenn Personen mit Deutsch als Zweitsprache ihr Leben in einer deutschen Umgebung meistern müssen, stoßen sie, vor allem wenn sie noch relativ neu sind, auf vielfältige Probleme: Verständigung mit den Behörden, den Ärzten, den Lehrern oder am Arbeitsplatz erfordert eine Kommunikationsfähigkeit, die gerade am Anfang noch nicht gegeben sind. Häufig treten dann andere Mitglieder der Gemeinschaft als Sprachmittler ein. Aktuell erforschen wir eine solche Konstellation im Projekt „SpanierInnen in Hannover“ zusammen mit der Romanistik Hannover. Meine Mitarbeiterinnen Marta Estévez Grossi und Dr. Kristina Bedijs haben eine große Zahl von Interviews mit ArbeitsmigrantInnen aus Spanien geführt, die seit den 1960er Jahren nach Hannover und Umgebung gekommen sind. Sie haben sich berichten lassen, wie ihre sprachliche Situation war und ist und wie die kommunikativen Hürden gemeistert wurden.

    Ansätze zur Erforschung des Gegenstands: Grounded Theory, Oral History

    Arbeiten:

    Estévez Grossi, Marta: Community Interpreting in der galicischen Gemeinschaft in Hannover seit den sechziger Jahren, Dissertationsprojekt.

    Dr. Kristina Bedijs: Spanische ArbeitsmigrantInnen in Hannover – eine migrationslinguistische Untersuchung, Dissertation.

    • Sinnesbehinderung oder kognitive Einschränkung: Wie verständlich sind die Regeln der Leichten Sprache, wie sie die Hildesheimer Forschungsstelle Leichte Sprache vertritt? Wie angemessen sind die Texte, die auf diese Weise entstehen?

    Ansätze zur Erforschung des Gegenstands: Empirische Sozialforschung, Kooperation unterschiedlicher Disziplinen

    Arbeiten:

    Lang, Katrin (2015): Negation in Leichter Sprache im Lichte der Verständlichkeitsforschung. Eine empirische Untersuchung zum Vergleich der Verständlichkeit unterschiedlicher Formen von Negation mit Blick auf die Zielgruppe prälingual Hörgeschädigter, Masterarbeit, Universität Hildesheim.

    Medienlinguistik: Welchen Einfluss hat die technische Stützung eines Kommunikationskanals auf die Texte, die durch diesen Kanal gehen? Welche Konventionen bilden sich um bestimmte Kommunikationsplattformen und -kanäle? Wie werden über diese Plattformen Beziehungen und persönliche Status verhandelt, wie Facework betrieben? Unterschiedliche Forschungsprojekte widmen sich diesem Thema:

    • Face Work und Social Media: Wie setzen unterschiedliche Personen oder Personengruppen Social Media ein, um ein bestimmtes Bild von sich zu vermitteln oder um sich gegen andere Positionen abzugrenzen?

    Wir haben zu diesem Thema eine Tagung („Face Work and Social Media“, 2013) durchgeführt, der zugehörige Band (Herausgeberinnen: Dr. Kristina Bedijs, Prof. Dr. Gudrun Held, Prof. Dr. Christiane Maaß) ist 2014 im Lit-Verlag erschienen und darüber hinaus online[1] zugänglich.

    Dr. Uta Fröhlich hat in ihrer Dissertationsschrift spanische Forenkommunikation daraufhin untersucht, wie mit den multicodalen Ressourcen Facework betrieben wird: Uta Fröhlich (2015): Facework in multicodaler spanischer Foren-Kommunikation, Berlin: De Gryuter.

    Dr. Patricia Yazigi hat in ihrer Dissertationsschrift untersucht, wie die Präsidentschaftskandidaten der USA im Wahlkampf 2012 die Kommunikationsplattform Twitter eingesetzt haben, um ein bestimmtes Bild von sich zu transportieren und ihre Gegner anzugreifen. Patricia Yazigi (2016): Der US-amerikanische Präsidentschaftswahlkampf 2012 auf Twitter. Eine korpusgestützte Untersuchung zu Facework in der politischen Kommunikation, Münster: Lit.

    Melanie Kunkel untersucht in ihrer Dissertation, wie sich Kunden Online bei Telekommunikationsunternehmen beschweren. Welchen Einfluss hat der Medienwechsel auf die Textsorte „Kundenbeschwerde“. Melanie Kunkel: "Aber anscheinend muss man sich öffentlich beschweren." Eine korpusgestützte Untersuchung zur Pragmatik von Kundenbeschwerden im Web 2.0. Dissertationsprojekt.

    • Hildesheimer Beiträge zur Medienforschung: Die Reihe beim Lit-Verlag (Herausgeberinnen: Dr. Kristina Bedijs und Prof. Dr. Christiane Maaß) steht angewandt sprachwissenschaftlichen Beiträgen offen, die sich im Bereich der Medienlinguistik situieren, sowie im weiteren Sinne medienzentrierten Beiträgen anderer Fächer. Die Reihe möchte dazu beitragen, die Sprachverwendung in verschiedenen medialen Kontexten besser zu verstehen und den Sprachwandel durch Medienkommunikation nachzuzeichnen.
    • Handbuch „Manual of Romance Languages in the Media”: Dieses Handbuch wird demnächst bei De Gruyter in der Reihe „Manuals of Romance Linguistics“ erscheinen. Es gibt einen Forschungsüberblick über die medienlinguistische Forschung in und zu romanischen Sprachen.